Es mag die meisten Eidgenossen und Eidgenossinen wohl eher überraschen, aber ihre Heimat verbindet historisch wie aktuell mehr mit dem südostasiatischen Stadtstaat, als sie auf den ersten flüchtigen Blick vermuten dürften. So residiert schon seit seiner Gründung im Jahr 1871 der altehrwürdige Swiss Club an der eigens nach ihm benannten Swiss Club Road unweit der Schweizerischen Botschaft in unmittelbarer und begehrter Nachbarschaft des bei Erholungssuchenden sehr populären Natur- und Landschaftsschutzgebiets Bukit Timah Nature Reserve im noblen Westen Singapurs. Knapp ein Jahrhundert später öffnete 1967 die „Swiss School in Singapore (SSiS)“ ebenfalls ganz in der Nähe ihre Pforten und unterrichtet bis heute Schüler aus aller Welt. Ähnlichkeiten sowie Gemeinsamkeiten finden sich auch in Hinsicht auf die hohen Pro-Kopf-Einkommen, Toppositionen in internationalen Rankings, Landesverteidigung mit Milizarmeen, mehrsprachige und multikulturelle Basis, den Stellenwert als bedeutender Banken- und Finanzplatz sowie geringe Steuersätze. Der langjährige Premierminister Singapurs Lee Kuan Yew (1923-2015) nannte die Schweiz in den 1980er-Jahren sogar ausdrücklich als erstrebenswertes Vorbild für sein eigenes Land, dem es ökonomisch nachzueifern gelte. Was die häufig wegen ihrer Stabilität als „Schweiz Asiens“ apostrophierte Megametropole auf der Malaien-Halbinsel kulturell, kulinarisch und touristisch zu bieten hat, zeigen die folgenden thematischen Abschnitte.
Singapur - Geografie, Lage und Region
Die knapp 730 km² große Republik Singapura im maritimen Südostasien an der Südspitze der Malaiischen Halbinsel liegt etwa einen Breitengrad bzw. ca. 137 Kilometer nördlich des Äquators, grenzt im Westen an die Straße von Malakka (Indonesien/Sumatra), im Süden an die Straße von Singapur, im Osten an das Südchinesische Meer und im Norden an die Straße von Johor (Malaysia). Das Territorium des Stadtstaats besteht aus der Hauptinsel Pulau Ujong (ca. 584 km²) sowie gut 60 weiteren, jedoch nur teilweise bewohnten Inseln, deren Gesamtfläche seit der Unabhängigkeit des Landes im August 1965 durch ehrgeizige und umfangreiche Landgewinnungsprojekte um etwa 25 Prozent zugenommen haben.
Das Klima, Temperaturen und Wetter in Singapore
Wie in der gesamten umliegenden Region herrscht auch in Singapur ganzjährig ein relativ gleichbleibendes tropisches Regenwaldklima, dessen Jahreszeiten und Temperaturen (im Durchschnitt ca. 23 bis 32 Grad Celsius) sich nicht spürbar ändern. Reichlich Niederschlag und hohe Luftfeuchtigkeit bestimmen generell, aber speziell in der Monsunphase zwischen November und Februar die allgemeine Wetterlage in der Stadt. Zwischen Juli und Oktober sorgen häufig Buschbrände auf der benachbarten indonesischen Insel Sumatra für dichten Dunst. Für den wegen des Klimawandels sowie steigenden Meeresspiegel zukünftig noch dringlicher werden Küsten- und Hochwasserschutz investiert das Land schon jetzt große Summen in Milliardenhöhe. Die Solarenergie wird ebenfalls durch den Bau einer Solarfarm im Meer sowie massenhafte Installation von Paneelen intensiv staatlich gefördert.
Bevölkerung, Ethnien und Gruppen
Singapur ist eine betont mehrsprachige und multikulturelle Gesellschaft, in der Menschen unterschiedlichster ethnischer, religiöser und nationaler Herkunft vergleichsweise friedlich sowie harmonisch miteinander leben, wobei die Mehrheit der Bevölkerung chinesischer, malaiischer, indischer und eurasischer Abstammung ist. 2018 betrug die Bevölkerung 5,6 Millionen, von denen nicht ganz 3,5 Millionen Staatsbürger waren, während die restlichen 2,1 Millionen ständige Einwohner, internationale Studenten, ausländische Arbeitnehmer oder deren Angehörige (1,6 Millionen) waren. Knapp 43 Prozent der Gesamtbevölkerung wurden im Ausland geboren. Diese Zahlen zeigen recht eindeutig den internationalen und kosmopolitischen Charakter des Stadtstaats, der die ernsten Probleme mit Rassismus der Vergangenheit heutzutage größtenteils überwunden hat. Eine unter den aktuell ca. 18.000 eurasischen Singapurern ist übrigens die 1992 als Tochter eines Schweizer Vaters sowie einer einheimischen Mutter geborene Sängerin Tabitha Nauser.
Glaube, Religion und Spiritualität
Die meisten der großen globalen Religionsgemeinschaften sind vor Ort vertreten, wobei 10 Hauptreligionen offiziell anerkannt werden. Singapur gilt somit durchaus zu Recht als das Land mit der weltweit größten religiösen Vielfalt. Der Buddhismus ist mit zurzeit ca. 31 Prozent Gläubigen unter den Einwohnern die am weitesten verbreitete Religion, gefolgt vom Christentum (ca. 19), Islam (ca. 16), Taoismus (ca. 9) und Hinduismus (ca. 5). Etwa 20 Prozent der Bevölkerung bekennen sich als nicht religiös, bei seit Jahren diesbezüglich steigender Tendenz. Die eurasischen Einwohnern sind mehrheitlich Katholiken, viele ältere Eurasier wurden in katholischen Missionsschulen unterrichtet. Die Verfassung gewährt zwar grundsätzlich Religionsfreiheit, andere Gesetze schränken dieses Recht jedoch ein. Veröffentlichungen über religiöse Themen werden oft zensiert, ebenso wie negative oder aufrührerische Darstellungen von Religion.
Singapurs Geschichte, Gegenwart und Zukunft
Die Geschichte des Landes begann im 14. Jahrhundert, nach anderthalb Jahrhunderten unter Herrschaft des britischen Empire wurde Singapur 1965 zur unabhängigen Republik. Ihren Namen Stadt des Löwen verdankt die Metropole dem Prinzen Parameswara, der auf seiner Flucht aus Sumatra im damals dichten Dschungel auf dem heutigen Stadtgebiet einen Löwen meinte zu sehen, bei dem es sich aber eher um einen Tiger gehandelt haben dürfte. In den folgenden Jahrhunderten gehörte die Stadt zu den Sultanaten von Malakka und Johor. Aus dem 1819 gegründeten britischen Handelsposten wurde schließlich 1867 eine ebensolche Kronkolonie. Nach japanischer Besetzung im Zweiten Weltkrieg, erneuter britischer Herrschaft, kurzer Föderation mit Malaysia sowie Erlangung der Unabhängigkeit dauerte es bis Beginn der 1980er-Jahre, bevor der Stadtstaat zum weltweit bewunderten wirtschaftlichen Musterkind aufstieg. Trotz kleinerer Einbrüche geht die Erfolgsgeschichte seither und nach Einschätzung der meisten Experten auch zukünftig unvermindert weiter.
Singapurs Attraktionen, Sehenswürdigkeiten und Wahrzeichen
Historische und moderne Architektur aus 200 Jahrhunderten Stadtgeschichte, eine trotz der sehr dichten Bebauung und Besiedlung erstaunliche Vielfalt an Grünflächen sowie ein heterogenes Kulturleben machen die Destination zum definitiv sehenswerten Reiseziel. Interessante Museen, imposante Kolonialgebäude und futuristische Wolkenkratzer finden sich in großer Zahl speziell im Gebiet Bras Basah östlich von Orchard sowie nördlich des Singapore River. Traditionsreiche religiöse Stätten sind das riesige buddhistische Kloster Kong Meng San Phor Kark See bei Ang Mo Kio/Bishan, der farbenfrohe hinduistische Sri-Mariamman-Tempel in Chinatown, der burmesisch-buddhistische Tempel in Balestier und die stattliche Moschee Masjid Sultan in der Arab Street. Wahrzeichen der Stadt ist das im Jahr 1972 eingeweihte Denkmal „Merlion“ am heutigen Standort Marina Bay, welches als Mischwesen aus Fisch und Löwe an die Legende der bereits erwähnten Stadtgründung erinnern soll.
Ausflüge, Parks und Natur
Etwa die Hälfte des Stadtgebiets sind mit großzügigen Parks und weitläufigen Grünflächen bedeckt, die sowohl von Einheimischen als auch ausländischen Besuchern gerne und oft als Naherholungsgebiete aufgesucht und genutzt werden. Mit zu den schönsten Plätzen gehören der Jurong Bird Park mit ca. 400 Vogelarten in großen Volieren, das Bukit-Timah-Reservat mit dunklem Dschungel, die Sungei Buloh Wetland Reserve mit ausgedehnten Feuchtgebieten sowie die 1822 gegründete Singapore Botanic Gardens mit ca. 500.000 Pflanzen und einer riesigen Orchideensammlung. Der East Coast Park ist für erstklassige Fisch-Restaurants, das MacRitchie Reservoir für schöne Wanderwege und die dem Meer abgerungenen Gardens by the Bay für ihre künstlichen Riesenbäume (Supertrees) und das weltweit größte Glasgewächshaus Flower Dome (ca. 1,3 Hektar) bekannt.
Shopping, Stadtteile und Souvenirs
Einkaufen und Essen sind die beiden beliebtesten Freizeitbeschäftigungen der lokalen Bevölkerung. Niedrige Steuern und Zölle auf Importe in Verbindung mit einem riesigen Warenvolumen sorgen für günstige Preise in den unzähligen Geschäften und zurzeit etwa 100 verschiedenen Einkaufszentren der Stadt. So spottbillig wie in den Nachbarländern ist es in Singapur jedoch meist nicht, dafür sind die Waren im Allgemeinen von guter Qualität und Ladenbesitzer aufgrund der strengen Verbraucherschutzgesetze recht ehrlich und fair. Die meisten Geschäfte sind täglich von 10.00 bis 22.00 Uhr geöffnet, kleinere Läden schließen schon gegen 19.00 Uhr. Entlang des Einkaufsgürtels an der Orchard und Scotts Road gibt es jeden letzten Freitag im Monat Late-Night-Shopping in über 250 Geschäften, die bis Mitternacht geöffnet haben. Massenhafte Einkaufsmöglichkeiten bieten auch die Stadtteile Bugis, Chinatown, Kampong Glam, Little India, Marina Bay und Riverside.
Freizeit, Kultur und Sport in Singapore
Singapurer lieben im allgemeinen Sport und werden auch gerne selber aktiv, besonders populär sind sämtliche Ballsportarten sowie Radfahren und speziell Schwimmen, Tauchen und Wassersport. Der Stadtstaat verfügt über die weltweit höchste Dichte an öffentlichen Schwimmbädern, die gegen geringe Gebühr meist täglich von 8.00 bis 21.00 Uhr geöffnet und häufig auch mit gastronomischen Einrichtungen ausgestattet sind. Schöne und in der Regel saubere Strände gibt es im East Coast Park sowie auf der Insel Sentosa (Palawan, Siloso und Tanjong Beach). Für Drachenboot- und Kanufahren eignen sich das MacRitchie Reservoir, der Kallang River und die Marina Bay. Dort befindet sich auch das Esplanade-Theater, wo das Singapore Symphony Orchestra häufig Auftritte gibt.
Genuss, Getränke und Speisen
Singapur ist wahrhaft ein Schmelztiegel der Küchen aus aller Welt, viele Einwohner sind geradezu passionierte Gourmets und Feinschmecker, die es lieben, so oft wie nur irgend möglich ausgiebig zu schlemmen. Das Angebot an asiatischen wie europäischen bzw. westlichen Speisen und Getränken ist atemberaubend. Die meisten Speisen werden mit der Gabel in der linken Hand zum Schieben und Schneiden sowie dem Löffel in der rechten Hand gegessen. Zu chinesischen Gerichte werden meist Stäbchen gereicht, während malaiische und indische Gerichte häufig per Hand gegessen werden, Gabel und Löffel sind aber auch hierbei nicht unüblich. Besonders typische und traditionelle Gerichte der Landesküche wie Bak kut teh (Schweinerippchen mit Kräutern und Gewürzen), Assam Pedas (Meeresfrüchte mit Gemüse in einer Soße aus Tamarinde, Kokosmilch, Chili und Gewürzen) oder Kari debal (Teufelscurry mit Huhn, Kohl, Wurst und Speck in Currysoße) gibt es an fast jeder Straßenecke in einer der zahlreichen Garküchen unter freiem Himmel, in den ebenso günstigen überdachten Hawker Centres und beim Singapore Food Festival, das jedes Jahr im Juli stattfindet.
Events, Festivals und Veranstaltungen
Ganz gleich, zu welcher Zeit des Jahres man einen Abstecher in die lebendige Metropole machen möchte, der Veranstaltungskalender bietet immer eine Vielzahl an interessanten Events und Festivals. Cineasten und Kinoliebhaber besuchen gerne das alljährlich Anfang August veranstaltete Singapore International Film Festival. Zur gleichen Zeit findet auch das Singfest mit internationalen Popbands statt. Das i Light Marina Bay immer im Juni ist eine Hommage an das Licht, bei der die gleichnamige Bucht von Installationen erleuchtet wird. Das Garden-Festival alle zwei Jahre Mitte/Ende Dezember ist eine internationale Gartenschau mit den weltweit besten Landschafts- und Gartengestaltern und regelmäßig über 500.000 Besuchern.
Ein Hightlight - Marina Bay Sands
Seit seiner Eröffnung im Jahr 2010 dominiert der riesige Gebäudekomplex an der Bucht gleichen Namens das Küstenpanorama von Singapur. Die Anlage umfasst drei 55-stöckige Hoteltürme mit zusammen über 2.500 Zimmern, ein 120.000 m² großes Ausstellungs-, Kongress-, Tagungs- und Einkaufszentrum, je zwei Museen zu Kunst und Wissenschaft, Theater, schwimmende Pavillons und sechs Restaurants. Ebenso untergebracht auf den auf insgesamt 20 Hektar Fläche ist das nach Baukosten teuerste Kasino der Welt mit ca. 500 Tischen und 1.600 Spielautomaten.
Hotels, Pensionen und Unterkünfte
Hotels und auch andere Unterkünfte in Singapur sind für südostasiatische Verhältnisse relativ teuer. Vor allem in den höheren Preisklassen übersteigt die Nachfrage das Angebot und bei Großveranstaltungen wie dem Formel-1-Rennen, regelmäßigen Kongressen, rund um den Nationalfeier- und Unabhängigkeitstag am 9. August sowie dem chinesischen Neujahrsfest im Januar oder Februar kommt es vor, dass so ziemlich alles ausverkauft und belegt ist. Hotels und Herbergen der unteren Preisklassen sind jedoch das ganze Jahr über erschwinglich und verfügbar. Recht günstige Hotels finden sich im Osten der Stadt beim Flughafen Changi sowie vereinzelt und mit etwas Glück auch im Viertel Riverside.
Singapur - Beste Reisezeit für Ferien
Anders als in Europa sind Jahreszeiten und insbesondere Eis, Frost, Kälte und Schnee in Singapur vollkommen unbekannt, weswegen die Stadt das ganze Jahr über bei angenehm tropischen Temperaturen bestens besucht werden kann. Feucht und schwül wird es aber häufig während des Monsuns zwischen November und Februar. Wer einen empfindlichen Kreislauf besitzt, wählt nach Möglichkeit besser den Reisezeitraum von März bis Mai.
Gesetze, Recht und Sicherheit
Nahezu jeder auf Papier gedruckte und digitale Reiseführer betont und lobt Singapur nicht nur als ausgesprochen sauber, sondern auch als besonders sicher für Gäste. In der Tat ist auch abends oder nachts kaum mit unliebsamen Überraschungen und Straßenkriminalität zu rechnen. Allenfalls in dicht gedrängten Menschenmassen sollte man etwas besser auf seine Wertsachen aufpassen. Dringend gewarnt seien sämtliche Besucher des Landes vor jeglichem Transport, Import, Besitz, Konsum von oder gar Handel mit Drogen aller Art, für den sehr lange Haft- oder Geldstrafen, bei größeren Mengen auch die Todesstrafe drohen.
Die Anreise, Mobilität und Verkehrsmittel
Die beiden Flughäfen Changi und Seletar bieten teils mehrfach täglich oder wöchentlich Direktflüge in ca. 300 Städte sowie 70 Länder rund um den Globus. Für Schweizer Bürger ist bei Aufenthalten von bis zu 90 Tagen Dauer kein Visum notwendig. Von Kuala Lumpur und vielen anderen Städten in Malaysia verkehren häufig Busse in den Stadtstaat, es gibt allerdings keinen zentralen Busterminal. Von den Riau-Inseln inn Indonesien sowie dem Bundesstaat Johor in Malaysia fahren häufig Fähren. In Singapur bewegt man sich am besten mit den günstigen, schnellen sowie zuverlässigen Zügen des MRT (Mass Rapid Transit) oder LRT (Light Rail Transit), deren enges Netz an Bahnhöfen und Stationen die meisten interessanten Punkte für Touristen abdeckt.